HERBSTMODE

In Paris trifft sich wieder einmal die Haute Couture.

Der Reigen wurde eröffnet von den Kollektionen aus dem Hause Martinshorn, della Rente und Gianni die Latsche.

Der ewigen Verschnürung des Paradiesvogels erlag Martinshorn. Inspiriert von der Androhung der Prügelstrafe erfand er wahre Trägerlösungen für aufgeschnittene chinesische Mandarinen. Schwarze Gummistiefel bis zur Taille, dazu ein Sack aus Leder oder Samt und der hohe Hut der Transportarbeiter ist Martinshorns Grundgedanke. Seine Models waren umweht vom weiten Duft der kleinen Welt aus Puerto Rico.

Ganz anders dagegen della Rente. Der Frühpensionär vertritt seit jeher einen betont konservativen Stil. Es gab also exotische Opernkostüme mit verlängerten Beinschnitten, Peking-Tüchern und Sommerblusen unter tonnenschweren Tweedmänteln. Dazu viele schwarze Ledergamaschen, knalleng auf die Haut geschneidert, samt Cocktailkleidern aus bis zur Hüfte geschlitzten Badenixen.

Eva im nabelfreien Schuh war das Thema von Gianni die Latsche. Abendroben und Kurz-Paletots spielten keine Rolle, dafür aber ausgefallene Spiegelsteinchen und Briefmarken. Echte Hosen suchte man bei ihm genauso vergebens wie Mitternachtsminis und Frühkartoffeln.

Das Publikum war begeistert, und man darf gespannt sein, was die anderen Coutouriers diesem furiosen Auftakt entgegenzusetzen haben.